12.01.2010
Um ca. 8Uhr morgens kamen wir fast erfroren nach einer Nachtfahrt im überklimatisierten Bus ins São Luís an, wo wir die “Pousada Internacional” aufsuchten, ein halbfertiges Hostel im Centro der Stadt. Halbfertig, weil die Zimmer weder mit Licht, noch mit Klotüren, Klobrillen ausgestattet waren, Farbe auf dem Boden klebte und es insgesamt noch nach Baustelle roch.
Nach einem kurzen Stop im Restaurant, begannen wir unsere eigens zusammengestellte Tour durch das “Centro Histórico”: Zunächst zur ältesten Kirche des hiesigen Bundesstaates Maranhao, die “Igreja Sao José do Destero”, die leider geschlossen war. Dann vorbei an einem ehemaligen Kloster zum “Cafua das Merces”, das einzig erhaltene Gebäude Brasiliens, in dem sich früher ein Sklavenmarkt befand. Heute ist hier ein Museum eingerichtet, in welchem einige Fesseln, afrikanische Holzskulpturen u.a. ausgestellt sind.
Weiter zum “Memorial do Centro Histórico”, ein Museum, das zwei Ausstellungen präsentiert. Die erste stellt die Renovierung der Stadt nach Erhalt des Titels zum Unesco-Weltkulturerbe dar, die andere diverse Modelboote. In diesem Teil saß ein kleiner alter Mann, der in aller Ruhe ebensolche Boote bastelte.
Anschließend zum “Casa da Festa”, wo uns eine Frau Karnevalskostüme der afrikanischen Religion “Candomblé” zeigte und uns viel über die von den Afrikanern eingeführten Bräuche in Maranhao berichtete. Und während wir durch das Museum geführt wurden, verfolgte uns putzenderweise ein weiterer Angestellter – offenbar sehr interessiert an uns. Dieser stellte sich am Ende der Führung kurz vor und wir verabredeten uns für den Abend.
Zum Schluss besuchten wir den Hauptplatz “Praca Benedito Leite”, wo sich die Kathedrale sowie der maranhensische Landesregierungssitz befinden.
São Luís ist eine wahre Szenestadt – bzw. dessen Centro. Zunächst die alten Häuserfassaden, alle verziert mit dem Symbol der Stadt – den portugiesischen Kacheln, den “Azulejos”. Dank ihnen bekam die Stadt den Titel als UNESCO-Weltkulturerbe. Dann ist überall Musik auf den Straßen; die Stadt ist vorallem für seinen Reggae bekannt.
Nach kurzen Aufenthalten im Hostel liefen wir zur “Bar do Porto”, einer Reggaebar, tranken ein Bierchen und trafen dann unsere Bekanntschaft namens Sazi aus dem Museum mit drei weiteren Freunden, die uns mit in einer andere Bar nahmen. Hier feierten wir in Davids 20. Geburtstag, gaben deutsche Geburtstagslieder zum Besten – bis Sazi als Überraschungsgeschenk mit seinem Berimbau, dem typischen Capoeira-Instrument, auftauchte und selbst noch ein paar eigens komponierte Liederle spielte.
Man weiß nicht, ob es vielleicht als Geburtstaggeschenk gemeint war, gut kam es aber nicht unbedingt an: Denn plötzlich stellte sich eine betrunkene Frau neben uns, zog sich die Unterhose zur Seite und – pinkelte. Nun gut. Was muss, muss.
Später nahm Sazi uns alle noch mit zu seinem Haus – er wohnt sozusagen im Museum, wo wir noch ein wenig Davids Geburtstag feierten.
13.01.2010
Der eigentliche Plan, mal so richtig auszuschlafen, endete um 9Uhr morgen verschwitzt am Frühstückstisch. Zur Abkühlung fuhren wir zum “Praia do Calhau”, einer der schöneren Strände der Stadt in einem schickeren Viertel außerhalb des historischen Zentrums. Dort verweilten wir in einer dortigen Strandbar.
Zurück im Hostel wollten wir gerade wieder zur “Bar do Porto” aufbrechen, als uns die Jungs wieder abholten und uns mit auf einen Wettbewerb nahmen, einer Art Straßenfest: In einem Amphitheater tanzten lauter afrikanische Frauen in ihren Kostümen (bunter langer Rock, weiße Bluse, Band im Haar, viele Ketten) und uns bot sich ein tolles Schauspiel. Die Frauen wild tanzend, sich im Kreise drehend, sich näherend und mit dem Becken wieder abstoßend, eine typische Bewegung dieses Tanzes. Im Tanzgemenge rannte ein Mann mit einer Flasche Cachaca herum, und sorgte so für noch lockerere Stimmung. Die Ehemänner der Tanzenden saßen an den Trommeln oder am Mikrofon und brachten das Amphitheater zum Kochen.
Währenddessen unterhielt ich mich mit einem einheimischen Mann, der mir viel über den hiesigen Bundesstaat Maranhao, seine Menschen, seine Kultur erzählte, besonders über den Einfluss der afrikanischen Bräuche.
14.01.2010
Eigentlich früher Aufbruch zum Rodoviaria, zum Busbahnhof, dennoch war der Morgenbus nach Barreirinhas schon weg und wir mussten vier Stunden auf den Mittagsbus warten. Nach einer Runde im Internetcafe u.a. ging es dann los.
Fotos 231 – 261 auf http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/UrlaubImUrwald
