09.01.2010

Auf einem quietschenden und schaukelndem alten Fischkutter fuhren wir drei Stunden über den Amazonas zur Ilha de Marajó und: alle Strapazen waren vergessen. Das glatte Amazonaswasser, der sich darauf spiegelnde Himmel und am Horizont die mit dichten Urwald bewachsenen Inseln.

Im Hafen der Insel wurden wir direkt in den Bus nach Soure gesetzt (nach dem Motto: “Da ist’s schön, da fahrt hin!”). Dieser Bus führte uns zunächst durch ein anderes Inseldörfchen namens Salvaterra bis zu einer Anlegestelle, von der aus es mit einer kleinen Fähre über einen Fluss zum Zielort ging. Total sprachlos standen wir auf der Fähre, so sehr hat uns der erste Eindruck von der Insel beeindruckt: Viel Natur, vorallem Palmen. Holzhäuser, teils Steinhäuser, die Bewohner meist auf Stühlen vor ihrem Hauseingang sitzend, die Kinder auch noch nach Einbruch der Dunkelheit draußen spielend, wo man sonst in Brasiliens Großstädten am besten schon im Haus ist.

Man kann nicht einmal sagen, ob diese Menschen dort arm sind, obwohl sich ihre Häuser von denen in den Favelas in Porto Alegre nicht unterscheiden. Die hiesigen Einwohner leben unglaublich einfach.

Leicht fanden wir in Souré das uns empohlene Hotel: Abgesehen davon, dass die Stadt ohnehin sehr klein ist, hat sie ein sehr einfaches Straßensystem. Die Straßen sind wir ein Raster ausgelegt, die Längs- und Querstraßen sind jeweils durchnummeriert. So befindet sich der Bäcker zum Beispiel auf der Rua (Straße) 3, Traversa (Querstraße) 5.

Unser Hotel war eines der weniger noblen, so begegneten wir zuallererst einer uns viel zu lebendigen Kakerlake, die lustig über das Bett krabbelte. Im Bad kroch noch ein Würmchen entlang. Nun gut.

Beim anschließenden Gang zum Restaurant war auffällig: Als Fortbewegungsmittel nutzt man neben Pferden und Fahrrädern auch Büffel, die im Vorgarten gehalten werden. So aßen wir neben Fisch uns Reis auch mit Käse überbackenes Büffelfleisch. Pferde werden selbst im noch modernen Porto Alegre von den Armen genutzt, Fahrräder habe ich in Brasilien bisher sehr selten gesehen. Noch seltener, zugegebenermaßen nie, habe ich in Brasilien jedoch Büffel gesehen.

10.01.2010

Nach eine Kakerlaken-freien Nacht fuhren wir per Bus, der ausschließlich hupenderweise für eine freie Fahrbahn sorgte und sämtliche Fahrrad-, Rollerfahrer, Pferde und Ochsen verscheuchte, zum “Praia do Pesquerio” – vorbei an wahnsinnig schöner Natur.

Auch der Strand – einfach toll! Sehr weitläufig, mit lagunenartigen kleinen Seen, die die Ebbe übriggelassen hatte. Zwei, drei Strandbars mit Strohschirmchen, Palmen. Nachdem wir den Strand ein wenig entlanggewandert und schwimmen waren, aßen wir in einer der Strandbars unseren ersten Krebs. Eine am Nachbartisch sitzende Frau konnte uns beim Auseinandernehmen der Panzer wohl nicht zusehen und vollendete diese Schälarbeit für uns. Ich muss sagen: Wenn man dem Krebs vorher nicht so lange in die Augen geschaut und seine Zangen begutachtet hat, schmeckt er eigentlich ganz gut!

Abends fand im Souré dann noch eine Precarnaval- (Vorkarnevals-)veranstaltung statt. Ein einziger Wagen mit ein paar Trommlern wurden von den Dorfbewohnern tanzenderweise begleitet, so hatte sich ein kleiner Zug gebildet, bei dem wir noch ein wenig mitliefen.

11.01.2010

Heute hatten wir uns für umgerechnet 30ct ein paar wackelige Fahrräder ausgeliehen und waren zum stadtnahem Strand gefahren. Um zu diesem zu gelangen mussten wir durch eine Art Naturreservat düsen. An dessem Eingang stand schon groß etwas von Angel- und Schwimmverbot geschrieben, direkt danach erwartete uns ein älterer Herr, der aus seinem Warehäuschen kam, uns einen Zettel überreichte (“10R$/3€) pro geschossenes Foto) und David drohte, er bringe uns um, sobald wir ein Foto machen würden. Aha.

Nach der netten Begrüssung bekamen wir tolle Natur zu Gesicht: Freilaufende Büffelherden (einmal kam mir einer direkt entgegengetrottet – Auge in Auge mit einem Büffel), Scharen von roten Ibissen und ganz viel Grün. Schade, dass wir uns nicht trauten, Fotos zu schießen. Der Strand, den wir über einen durchs Grün führenden Steg erreichten, toppte nocheinmal alles. Wie der andere Strand war er sehr weitläufig mit vielen bizarren Bäumen und verlassener. Dort verweilten wir ein Stündchen, genossen das letzte Bad im Amazonas und führen zurück zum Hotel.

Anschließend mussten wir per Bus&Boot leider schon zurück nach Belém, um vom dortigen Busbahnhof unsere Weiterreise anzutreten.

Fotos 192 – 230 auf http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/UrlaubImUrwald

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