Nun ging es mit dem Bus direkt ins Party- und Barviertel San Telmo, fuhren zunächst auch direkt durchs Centro. Da es in Argentinien Tradition zu sein scheint, am Jahresende Kalenderblätter aus dem Fenster zu werfen, bot sich uns ein toller Anblick, als wir durch die Hauptstraße fuhren und um uns herum Papier flatterte. Ziemliche Verschmutzung – die Straßen sind verdeckt von teils 10cm hohen Papierschichten. Trotzdem sieht es schön aus.
Unsere erste Stadttour führte uns zu Fuß vorbei an einer niedlichen russisch-orthodoxen Kirche und an dem Stadion, in dem einst angeblich auch Maradona spielte, und schließlich zum alten Hafenviertel La Boca. Dieses ist aufgrund vieler bunt angestrichender Häuser ein wahres Szeneviertel und sehr touristisch mit einigen Cafes und Souvenirläden.
Abends trafen wir im Hostel auf unsere porto-alegrensischen Freunde Nils und Carlo, welche mit uns Buenos Aires erkunden werden.
31.12.2009
Direkt nach dem Frühstück gings durch die Hauptstraße “Florida” an vielen Straßenständen und für uns so billigen und verführerischen Klamottenläden vorbei zum neueren Hafengelände “Puerto Madero”, welches ähnlich wie das Berliner Spreeufer hübsch aufgemacht und mit einigen Cafes und Bars ausgestattet wurde. Zudem befindet sich dort die auf jeder Postkarte abgebildete Brücke “Puente de la Mujer” sowie die Fährstation nach Montevideo, schließlich befindet sich Hauptstadt Uruguays lediglich am gegenüberliegenden Ufer des “Rio de la Plata”.
Unsere Erkudungstour führte uns ebenfalls zum rosafarbenden Regierungsgebäude “Casa Rosada” sowie zur Katedrale.
Wieder in unserem Viertel San Telmo angekommen, schlenderten wir durch die dortigen Gassen, stöberten in recht alternativen Klamottenläden und stießen auf eine “Gallerie”, in der alle möglichen Antiquitäten “ausgestellt” worden waren. So handelte es sich vielmehr um eine große Halle, in der in einzelnen durch Gitter getrennte Abteilen einige Messis ihren Ramsch abgestellt haben – dennoch ein Blickfang.
Für den Nachmittag war von der Gruppengemeinschaft ein Besuch des im Stadtviertel Recoleta gelegenen Friedhofs vorgeschlagen worden. Stand ich diesem Plan zunächst ehr skeptisch gegenüber, war ich umso mehr überrascht, als wir beim Eintritt des “cemitério” keinesfalls auf lauter trostlose Grabsteine trafen, sondern auf wunderschön verzierte Mausoleen, in welchen sämtliche argentinische Berühmtheiten begraben liegen. Unter anderem liegt hier Evita (in Europa bekannt durch das gleichnahmige Musical), vor deren Grab sich sogar eine kleine Schlange bildete, weil sich der ein oder andere Tourist gerne mit der Grabschrift ablichten lassen wollte.
Eigentlich hatten wir für den Abend einen Besuch in einem Restaurant in San Telmo geplant, hatten uns auch schon schick für die Nacht gemacht, endeten jedoch mit Nudeln und Tomatensoße an der Kasse des Mini-Supermarkts, da sämtliche Restaurants entweder überteuert oder schlicht geschlossen waren. Nach dem genüsslichen Abendbrot im Hostel und einigen Gläsern Fusel statteten wir dem “Puerto Madero” den schon zweiten Besuch ab, den dieser war uns für den Jahreswechsel besonders empfohlen worden.
Von weiten war schon Musik aus den anliegenden Cafes zu hören, da diese exklusiv für die Silvesternacht DJ’s arrangiert hatten, die praktischerweise nicht in sondern vor den Cafes spielten. Viele Menschen strömten mit uns ins Hafengelände. Hierbei war interessant zu beobachten, dass weiße Kleidung an Silvester eine weitere hiesige Tradition ist, so erschienen viele argentinische Schönheiten in eleganten weißen Sommerkleidern. Ins neue Jahr rutschten wir auf der total überfüllten “Puente de la Mujer”. Das Jahr 2010 begrüßte uns mit einer Sektdusche und einem Feuerwerk. Besser gesagt: Mit zwei Feuerwerken – je zu beiden Seiten der Brücke. So waren wir durch das ständige Links-und Rechtsdrehen schon überfodert gewesen, bis direkt neben uns ein Argentiner seiner Freundin einen Hochzeitsantrag machte. Kitschigerweise kniete er sich mitten beim Feuerwerk vor sie und hielt ihr den Ring entgegen. Kitschig, aber doch sehr schön. Und so konnte sie auch nichts anderes als “Ja” sagen.
Zum Tanzen verließen wir die Brücke in Richtung der besagten Cafes. Vor diesen wurde nun auf der Straße getanzt. Dazu war buntes Glitter verteilt worden, welches von den Tanzenden immer wieder aufgehoben und durch die Luft gewirbelt wurde.
Ein sehr sehr gelungener Jahresumschwung. Und: Seltsam war das Weihnachtsfest bei hochsommerlichen Temperaturen. Doch umso schöner war es, nicht nur kurz vor 0Uhr schnell auf die Straße zu rennen, um bibbernderweise anzustoßen und kurz ein Feuerwerk anzuschauen, sondern in Rock und T-Shirt auf den Straßen zu feiern.
01.01.2010
Nach meiner gelungenen Aufweckaktion fanden wir uns alle voll Enthusiasmus um 10.30Uhr am Frühstückstisch wieder, um per U-Bahn nach Palermo zu fahren. Dort besuchten wir zunächst den Japanischen Garten, welcher sich als Reinfall erwies, da dieser außer einer Mückenplage nichts weiter Nennenwertes zu bieten hatte. Zerstochen ging es weiter nach “Palermo Viejo”, der ältere Teil des Stadtviertels. Dieses soll eigentlich ein Szeneviertel sein, ebenfalls mit vielen Bars und Cafes sowie alternativen Läden und kreativ gestalteten Häuserwänden. Doch aufgrund des Neujahrstages fanden wir uns vielmehr in einer Geisterstadt wieder und änderten den Tagesplan insofern um, als dass wir in einem Restaurant über zwei XXL-Pfannen Paella herfielen.
Nachmittags wurden weitere Attraktionen abgeklappert: Das Tribunalgebäude, die Oper, den ebenfalls auf jeder Postkarte zu findenen Obelisken – eine hohe weiße Säule mitten im Zentrum, sowie der pompöse “Congreso de la Nación”.
Als erste Stadt in Südamerika hatte Buenos Aires eine U-Bahn, genannt “Subte”, zu bieten. Wir hatten während unserer Stadttour das Glück, in einem alten Modell mitfahren zu können. So saß der Zugführer auf der linken Vorderseite in einem kleinem Kabuff, während die Mitfahrer selbst auch noch einen Blick nach Vorne in den Tunnel bestaunen konnten. Insgesamt war die komplette U-Bahn von den Sitzen bis zur Decke noch mit Holz vertäfelt und eine wahre Attraktion.
02.01.2010
Ein letztes Mal auf die “Florida”, wo wir Mädels eine kleine Shoppingtour ins Programm haben einbauen lassen. Es ließ sich wirklich sehr gut shoppen, denn die Preise sind um einiges niedriger als bei uns in Porto Alegre.
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hostel trennten sich unser aller Wege. Meiner führte mich zur Fähstation nach Montevideo – zum sogenannten Buquebus.
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